Ein alter Mann sah eine Frau weinend im Schnee sitzen. Besorgt ging er auf sie zu und fragte, ob ihr etwas fehle? »Ach, guter Mann«, sprach die Frau, »ich weine über mich und mein Leben. Über meine Schönheit, die ich einst im Spiegel sah; über meine Lebendigkeit, die immer mehr verloren geht, und über meinen verstorbenen Mann, den ich über alles geliebt habe. Gott ist grausam! Er hat mir die Fähigkeit der Erinnerung mit auf den Weg gegeben. Er musste doch wissen, dass ich mich an den Frühling meines Lebens erinnern und dann weinen würde.«

Der alte Mann hatte die Klagen der Frau wohl vernommen, doch er schaute mit einem Lächeln auf das weite, schneebedeckte Feld. Die Frau folgte seinem Blick und fragte ihn, was er denn dort sehen würde? »Eine Wiese voller Frühlingsblumen«, antwortete der Mann. »Gott war grosszügig, als er mir die Fähigkeit der Erinnerung gab. Er wusste, dass ich mich im Winter immer an den Frühling erinnern kann.«

Nach einer Geschichte © Gisela Rieger; aus dem Buch:
„Geschichten, die dein Herz berühren“ ; ISBN: 978-3-00-053788-2

Was stärkt den Geist und macht ihn jung?
Aus schöner Zeit – Erinnerung!

Heinrich Martin, deutscher Schriftsteller, 1818–1872

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#Erinnerung